Virtual Console Review
Retro-Test oder Video zu Landstalker
Damit sich auch Sega-Fans auf ein großes Abenteuer im Stile eines Zelda stürzen konnten, erschien 1993 Landstalker für das Mega Drive. Das Spiel war definitiv vom großen Vorbild inspiriert, bot aber genug eigenständige Ideen. Dank der Virtual Console ist es nun auch jüngeren Zockern möglich, das Spiel nachzuholen. Leider griff Nintendo zur englischsprachigen Version, obwohl die in Deutschland veröffentlichte Fassung damals deutsche Texte bot (wir verwenden im Text also auch die englischen Namen und Begriffe). Warum euch dieser Umstand trotzdem nicht von einem Download abhalten sollte, erfahrt ihr im Review.

Gameplay (3 von 4 Punkten):
Nigel ist ein erfahrener Schatzjäger und immer auf der Suche nach zahlungswilligen Auftraggebern. Gerade erst hat er eine Ruine um einen wertvollen Schatz erleichtert, als er unfreiwillig dafür sorgen muss, dass die Fee Friday nicht von ihren Häschern geschnappt wird. Als Gegenleistung will die kleine Grazie Nigel dabei helfen, den legendären Schatz des König Nole zu finden. Nach der gelungenen Flucht begibt sich das Pärchen also auf die Insel Merkator, um den Hinweisen nachzugehen. Dabei geraten sie anfänglich in einen Disput zweier Dörfer, lösen ein Piratenproblem, legen sich mit dem Herrscher einer großen Stadt an und müssen immer wieder der Truppe entkommen, die schon im Intro Jagd auf Friday machte.
Genau wie in den Zelda-Spielen erkundet ihr eine große Welt, die sich euch aber erst nach und nach erschließt. Erst, wenn ihr bestimmte Voraussetzungen erfüllt oder einen bestimmten Story-Punkt erreicht habt, geht es in das nächste Areal. Durch diesen Kniff habt ihr auf der einen Seite eine große Spielwelt, könnt euch aber zu Beginn nicht in ihr verlaufen und trefft nicht auf Gegner, die noch viel zu stark für euch sind. Eure Aufträge und Missionen erhaltet ihr durch Gespräche mit Dorf- und Stadtbewohnern. Meistens führen euch diese in einen Dungeon bzw. eine Ruine, die mit Feinden, Fallen und Hüpfsequenzen gespickt sind. Ganz richtig, in Landstalker kann der Hauptcharakter springen! Dadurch hatten die Level-Designer sehr viel mehr Möglichkeiten, sich in den Dungeons auszutoben. Das Besondere an Landstalker ist aber weder die Geschichte noch das allgemeine Spielprinzip. Das Stichwort hier lautet: isometrische Perspektive. Dadurch ergibt sich der Eindruck einer dreidimensionalen Welt, nur leider ist dies auch der größte Schwachpunkt des Spiels. Gibt es in der Oberwelt meistens keine Probleme mit den diagonalen Eingaben des Steuerkreuzes, kann die schräge Ansicht in den verfallenen Ruinen schnell zu Frustanfällen führen. Zwar versagt nicht die Steuerung an sich, doch werden Geschicklichkeitsabschnitte aufgrund der Perspektive unnötig verkompliziert. Ihr springt nicht nach vorne oder rechts, sondern schräg nach oben bzw. schräg nach unten. Die genau Position und Höhe der Plattformen lässt sich unheimlich schwer abschätzen, weswegen ihr für jeden Abschnitt mehrere Versuche benötigt, um bis zu eurem Ziel zu springen. Später müsst ihr euch sogar in der Luft um Ecken bewegen. Klingt komisch und spielt sich schrecklich. Landet ihr zu Beginn des Spiels wenigstens immer auf festem Grund, fallt ihr später in Abgründe, wodurch euch Fehlsprünge Lebensenergie und vor allem Nerven kosten.
Die Kämpfe gegen die vielseitigen Monster sind dafür deutlich einfacher. Wer immer in Bewegung bleibt und die Eigenheiten der Gegner im Hinterkopf behält, geht meistens ohne größere Probleme siegreich aus den Kämpfen hervor. Hilfreich in den Auseinandersetzungen sind neben einer stetig anwachsenden Lebensenergie durch das Finden und Kaufen von Zusatzenergie diverse Items, die euch kurzzeitig stärker werden lassen oder eure Verletzungen kurieren. Im Laufe des Spiels könnt ihr nicht nur bessere Ausrüstung erwerben, sondern auch magische Schwerter finden, mit denen ihr eure Feinde unter anderem in Brand steckt. Damit das auch alles gut von der Hand geht, empfehlen wir euch aufgrund des Steuerkreuzes einen Classic Controller zu benutzen. Wer keinen besitzt, kann aber auch auf die quer gehaltene Wiimote zurückgreifen. Die abgesehen von den Hüpfsequenzen gute Bedienbarkeit hilft euch aber nicht weiter, wenn ihr keine Ahnung habt, was das Spiel eigentlich als nächstes von euch erwartet. Es kommt nämlich vor, dass ihr erst eine bestimmte Person ansprechen müsst, um mit der Story fortfahren zu können. So landet ihr zum Beispiel relativ früh in einer kleiner Küstenstadt, die von Piraten überfallen wurde. Ihr entschließt euch dazu, die entführten Kinder zu befreien, werdet aber nicht auf das Floß gelassen, mit dem ihr zur Höhle des Gesindels fahren müsst. Ich bin bestimmt eine gute Stunde in der Küstenstadt sowie der näheren Umgebung herum geirrt, bis ich durch Zufall einen durch die Perspektive hinter einer Häuserecke versteckten Charakter angesprochen habe. Und "schon" war der Weg zum Floß frei. Das hätte man deutlich besser lösen müssen.

Grafik (4 von 4 Punkten):
Hier zeigt sich Landstalker von seiner schönsten Seite. Detaillierte Umgebungen, Hauseinrichtungen und Charaktere wissen zu begeistern. Auch die Animationen Nigels können sich sehen lassen. Zwischensequenzen laufen komplett in Spielgrafik ab, so dass ihr euch der Anziehungskraft der Engine nicht entziehen könnt. Leider entpuppt sich die isometrische Perspektive als Spielspaßdämpfer, Punktabzug gab es für diese aber schon im Gameplay-Abschnitt. Und an der technischen Seite an sich ändert diese ja auch nichts. Die dicken PAL-Balken fallen einem bei einem genügend großen Fernseher nach einiger Spielzeit gar nicht mehr auf.
Sound (4 von 4 Punkten):
Auch hier punktet das Spiel. Die Hintergrundmusik passt stets zum Geschehen und auch die Effekte klingen für einen Mega Drive-Titel wirklich gut. Eine Sprachausgabe gibt es nicht, aber das kann Landstalker nun wirklich nicht angekreidet werden, wirft man einen Blick auf den Veröffentlichungszeitraum und andere Spiele auf der Konsole.
Fazit (4 von 4 Punkten):
Landstalker ist ein wirklich gutes Spiel. Den Punktabzug im Gameplay habe ich daher nur schmerzlich in Kauf genommen. Doch die frustigen Hüpfsequenzen und das zufällige Vorankommen zwangen mich dazu. Dafür kann die technische Seite vollkommen überzeugen, auch wenn die PAL-Balken gerne kleiner hätten ausfallen dürfen. Und auch zum Schluss noch einmal der Hinweis, dass es sich bei der Virtual Console-Fassung um die englischsprachige Version handelt. Verständlich bleibt das Spiel aber trotzdem.
Autor: Pascal Hartmann
Vielen Dank an Nintendo Deutschland für die freundliche Bereitstellung der Nintendo-Points für Landstalker!

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